SchnittTagebuch

Farben angleichen in Final Cut Pro zwischen verschiedenen Kameras für Anfänger

Ich sitze an diesem schwülen Abend in meiner Berliner Wohnung und starre auf zwei Clips in meiner Timeline. Es ist frustrierend. Der eine Clip stammt von meinem iPhone, der andere von meiner alten Sony-Kamera. Das iPhone-Bild ist knallblau, fast schon klinisch, während die Sony-Aufnahme aussieht, als hätte ich sie durch eine Tasse dünnen Kaffee gefilmt. Als Lektorin sehe ich sofort, wenn ein Semikolon falsch gesetzt ist, aber hier? Ich sehe nur Chaos.

Mein gebrauchter Mac mini summt leise vor sich hin. Die 8 GB Arbeitsspeicher des Basismodells kommen bei der 4K-Vorschau manchmal ins Schwitzen, genau wie ich. Ich wollte eigentlich nur schnell die Aufnahmen aus meinem Urlaub in Portugal zusammenschneiden, aber die Farbunterschiede springen mich an wie ein dicker roter Korrekturstrich auf einem sonst sauberen Manuskript.

Mitte März: Der erste Versuch mit dem Zauberstab

Zwei unterschiedliche Videoclips in Final Cut Pro mit starkem Farbunterschied.

Mitte März dachte ich noch, es gäbe diesen einen magischen Knopf. In Final Cut Pro heißt er 'Farbe anpassen' (Match Color). Ich habe ihn angeklickt, voller Hoffnung, dass die Software meine Unfähigkeit einfach wegzaubert. Das Ergebnis? Schlimmer als vorher. Die Sony-Aufnahme wurde plötzlich giftgrün, als hätte ich einen Filter aus den frühen 2000ern darübergelegt.

Es fühlte sich an wie ein Manuskript, bei dem man die automatische Rechtschreibprüfung drüberlaufen lässt und am Ende 'dass' und 'das' überall falsch stehen. Ich wollte eigentlich schon aufgeben und die Kamera-Unterschiede einfach als 'künstlerische Entscheidung' verkaufen. Aber mein Perfektionismus, der mich auch bei jedem Final Cut Pro X Einsteigerkurs begleitet hat, ließ das nicht zu.

Ich habe Stunden damit verbracht, an den Farbrädern zu drehen. Luma, Sättigung, Belichtung – Begriffe, die für mich klangen wie böhmische Dörfer. Ich habe den Regler für die Mitten nach oben geschoben, dann wieder nach unten. Das sanfte, rhythmische Klicken meiner Maus in der stillen Wohnung war das einzige Geräusch, während ich die Farbregler Millimeter für Millimeter verschob, nur um am Ende festzustellen, dass das Bild jetzt zwar heller, aber total flach aussah.

Anfang Mai: Scopes sind wie Korrekturzeichen

Der Waveform-Monitor in Final Cut Pro zur Analyse der Helligkeit.

Anfang Mai kam der Heureka-Moment. Ich habe gelernt, dass man sich nicht auf seine Augen verlassen darf. Mein Monitor ist nicht kalibriert, das Licht in meinem Zimmer ändert sich ständig. Ich brauchte etwas Objektives. So wie ein Duden für die Rechtschreibung. In Final Cut sind das die Video-Scopes, besonders der Waveform-Monitor.

Dieser Monitor zeigt die Helligkeitsverteilung mathematisch exakt an. Plötzlich sah ich es schwarz auf weiß: Die Belichtung meiner beiden Clips war völlig unterschiedlich. Das iPhone hatte die Lichter viel aggressiver weggedrückt, während die Sony-Aufnahme in den Schatten soff. Erst als ich die Belichtung angeglichen habe, ergaben die Farben überhaupt Sinn. Ich arbeite hier im Standard-Farbraum für HD-Video, dem Rec. 709, und muss zusehen, dass meine Werte zwischen 0 und 100 bleiben.

Es ist wie beim Lektorat: Wenn die Struktur eines Satzes nicht stimmt, hilft es auch nichts, an den Adjektiven zu feilen. Erst muss das Gerüst (die Belichtung) stehen, dann kommt die Farbe. Ich habe mir angewöhnt, die wichtigsten Final Cut Pro Tastaturkürzel zu nutzen, um schnell zwischen den Scopes und dem Viewer zu wechseln. Das spart Zeit und Nerven.

An einem regnerischen Wochenende im Juni: Der Green-Tree-Fails

Eine Hand am Computer, die präzise Farbanpassungen in Final Cut vornimmt.

An einem regnerischen Wochenende im Juni passierte mir dann der Klassiker. Ich habe eine Stunde lang versucht, das Grün eines Baumes im Hintergrund anzugleichen. Ich habe an der Sättigung gedreht, den Farbton verschoben, war fast den Tränen nahe, weil sich einfach nichts änderte. Bis ich merkte: Ich habe die ganze Zeit am falschen Clip gearbeitet. Ich war im Inspector auf dem Clip davor markiert.

Okay, das war heute echt frustrierend. Ich saß da, den Kopf auf die Tastatur gestützt, und fragte mich, warum ich mir das antue. Ich bin Lektorin, keine Coloristin. Aber dann habe ich mich an den PAL-Standard erinnert, mit dem ich meine 25 fps Aufnahmen mache – alles muss zusammenpassen, damit es fließt. Ein kleiner Graukarten-Tipp aus einem Forum rettete mir schließlich den Clip. Ich hatte zwar keine echte Graukarte dabei, aber ein weißes T-Shirt im Bild tat es zur Not auch für den manuellen Weißabgleich.

Letzte Woche Dienstag: Mein neuer Workflow

Die Funktion 'Farbe anpassen' in der Benutzeroberfläche von Final Cut Pro.

Letzte Woche Dienstag habe ich dann endlich meinen Frieden mit der Technik gemacht. Und hier kommt mein vielleicht etwas unkonventioneller Rat: Vergiss das manuelle Angleichen nach dem Auge am Anfang. Ich nutze jetzt konsequent die automatische Farbabgleich-Funktion 'Match Color' als absoluten Startpunkt, statt Zeit mit ineffizienten manuellen Versuchen zu verschwenden.

Früher dachte ich, die Automatik sei 'schummeln' oder unprofessionell. Aber für jemanden ohne Filmausbildung ist sie ein Segen. Man wählt den Clip aus, den man anpassen will, klickt auf 'Farbe anpassen' und wählt dann im Viewer den Referenz-Clip aus. Final Cut macht eine Frame-Analyse und gleicht Weißabgleich und Belichtung an. Es ist nie perfekt, aber es bringt mich zu 80 % ans Ziel. Den Rest mache ich dann mit minimalen Korrekturen in den Farbrädern.

Perfektion ist für Profis in Hollywood. Für mein Reisetagebuch reicht es jetzt, dass der Himmel in beiden Aufnahmen endlich nach demselben Sommertag aussieht. Mein Mac mini hat den Export der letzten Woche gut überstanden. Es ist ein schönes Gefühl, wenn die Clips in der Timeline nicht mehr wie zwei verschiedene Welten wirken, sondern wie eine Geschichte. Fast so wie ein Manuskript, das nach der dritten Korrekturrunde endlich eine gemeinsame Stimme gefunden hat.

Verwandte Artikel