SchnittTagebuch

Grundlegende Farbkorrektur in Final Cut Pro für Anfänger ohne teures Equipment

Sonntagabend. Gestern saß ich wieder bis weit nach Mitternacht vor meinem gebrauchten Mac mini und hätte das Ding am liebsten aus dem Fenster im dritten Stock geworfen. Kennst du das, wenn du ein wunderschönes Video im Kopf hast, aber auf dem Bildschirm sieht alles aus wie eine ungewaschene Fensterscheibe?

Kurzer Hinweis vorab: In diesem Beitrag findest du Affiliate-Links. Wenn du über einen meiner Links einen Kurs kaufst, bekomme ich eine kleine Provision – für dich kostet es keinen Cent extra. Ich verlinke hier nur Dinge wie den Final Cut Pro X Einsteigerkurs, den ich selbst durchgearbeitet habe, um überhaupt zu verstehen, was ein Belichtungsregler ist.

An einem verregneten Abend letzten November fing das Elend an. Ich starrte auf meine Aufnahmen von der Ostsee. Eigentlich ein traumhafter Tag, aber im Video sah das Wasser aus wie eine kalte, graue Buchstabensuppe. Als Lektorin bin ich es gewohnt, mit dem Rotstift Fehler zu finden, aber in Final Cut Pro fühlte ich mich wie in einem Cockpit, für das ich keine Lizenz habe.

Ich habe eine Stunde lang wahllos auf Knöpfe gedrückt. Das Ergebnis? Mein Gesicht im Video sah abwechselnd aus wie eine überreife Tomate oder wie ein Gespenst, das zu lange im Keller gewohnt hat. Ich wollte schon aufgeben und die Aufnahmen einfach löschen. Aber dann habe ich mich an die Lektionen zur Farbbearbeitung erinnert.

Das Geheimnis der Kurven (und warum mein Mac mini schwitzt)

In Final Cut Pro gibt es diese 4 primären Farbräder (Color Wheels): Global, Schatten, Mitteltöne und Highlights. Für mich sahen die anfangs aus wie hübsche bunte Kreisel ohne Sinn. Aber sie sind eigentlich wie die Korrekturzeichen am Rand einer Druckfahne. Man muss nur wissen, welches Zeichen was bewirkt.

Mein kleiner Mac mini hat zwar nur die Mindestanforderung von 8 GB RAM, aber er schlägt sich tapfer. Wenn ich anfange, an den Farben zu drehen, merke ich richtig, wie er arbeitet. Neulich habe ich eine dreiminütige Sequenz korrigiert und danach das Gehäuse berührt – diese subtile Wärme des Aluminiumgehäuses unter meiner Hand war fast schon beruhigend. Er lebt noch, dachte ich mir.

Ein riesiger Fehler, den ich am Anfang gemacht habe: Ich habe den Belichtungsregler so weit nach oben gerissen, dass der Himmel plötzlich zu einem pixeligen Matsch aus digitalem Rauschen wurde. Es sah aus wie das Ameisenrennen auf einem alten Röhrenfernseher, wenn kein Empfang war. Totaler Anfängerfehler. Wenn die Information im Bild nicht da ist, kann man sie nicht herbeizaubern, genau wie man aus einem schlechten Manuskript kein Weltklasse-Epos macht, nur indem man die Schriftart ändert.

Vertraue nicht deinen Augen, vertraue der Waveform

Um den Jahreswechsel herum kam der große Durchbruch. Ich habe aufgehört, nur auf das Bild zu schauen, und angefangen, den Waveform-Monitor zu benutzen. Das ist eine Anzeige, die das Licht in Datenpunkten darstellt. Die Skala reicht von 0 bis 100.

0 ist absolutes Schwarz, 100 ist strahlendes Weiß. Meine "graue Suppe" von der Ostsee klebte irgendwo bei 40 fest. Kein Wunder, dass das flach aussah! Als ich die Schatten vorsichtig Richtung 0 und die Lichter Richtung 90 geschoben habe, bekam das Bild plötzlich Tiefe. Es war, als würde man bei einem Text endlich die Absätze und Überschriften richtig setzen.

Falls du auch gerade erst anfängst und dich fragst, ob du überhaupt das richtige Werkzeug hast: Schau dir mal meinen Bericht an, wie ich in Woche 1 den verschwundenen Viewer gesucht habe. Da war ich noch viel verzweifelter.

Warum dein Standard-Bildschirm eigentlich ein Vorteil ist

Ich hatte lange Zeit ein schlechtes Gewissen, weil ich keinen teuren Profi-Monitor für 2.000 Euro besitze. Aber Anfang März ist mir etwas klar geworden: Meine Reisevideos landen auf YouTube oder Instagram. Die Leute schauen das auf ihrem Smartphone in der S-Bahn oder auf ihrem Laptop im Bett.

Mein ganz normaler Mac-Bildschirm zeigt mir genau das, was meine Zuschauer später auch sehen. Es ist sogar präziser für mein Zielpublikum, als wenn ich auf einem High-End-Monitor Farben korrigiere, die ein Handy-Display gar nicht darstellen kann. Wir arbeiten im Standard-Farbraum Rec.709, und das packt fast jeder moderne Bildschirm problemlos.

Ein Profi-Tipp aus dem Kurs, der mir den Hintern gerettet hat: Der Vectorscope. Es gibt dort eine ganz feine Linie, die sogenannte 'Flesh Line'. Egal welche Nationalität oder Hautfarbe jemand hat – das Blut unter der Haut hat immer denselben Farbton. Wenn die Hauttöne auf dieser Linie liegen, sieht man nicht aus wie ein Alien. Das hat mir so viele Stunden Frust erspart!

Fortschritt statt Perfektion

Letzte Woche habe ich ein altes Video von mir gesehen, das ich direkt nach dem Kauf des Mac mini geschnitten hatte. Oh weh. Damals wusste ich noch nicht mal, wie man ruckelnde Clips rettet. Mittlerweile weiß ich zum Beispiel, wie man Zeitlupe ohne Ruckeln am Mac mini erstellt, und das in Kombination mit einer sauberen Farbkorrektur macht einen riesigen Unterschied.

Mein Stand nach etwa fünf Monaten: Ich brauche für die Farbkorrektur eines fünfminütigen Vlogs jetzt nur noch etwa zwei Stunden statt zwei Tage. Es ist immer noch Arbeit, und manchmal verrenne ich mich immer noch in den Reglern, aber ich weiß jetzt, wie ich zurückfinde.

Wenn du das Gefühl hast, dass deine Videos nicht professionell genug aussehen, liegt es meistens nicht an der Kamera, sondern am Kontrast und an den Farben. Und dafür brauchst du kein Studio. Du brauchst nur ein bisschen Geduld und vielleicht jemanden, der es dir einmal richtig erklärt. Ich kann dir den Final Cut Pro X Einsteigerkurs wirklich ans Herz legen, wenn du nicht wie ich hunderte Stunden mit YouTube-Suchen verschwenden willst.

Jetzt klappe ich den Laptop aber zu. Morgen wartet wieder ein echtes Manuskript auf mich – mit echten Rotstiften auf Papier. Aber irgendwie freue ich mich schon auf den nächsten Schnittabend, wenn ich wieder an meinen 4 Farbrädern drehen darf, bis die Ostsee endlich so blau funkelt, wie ich sie in Erinnerung habe.

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