SchnittTagebuch

Einstellungsebenen in Final Cut Pro nutzen für schnellere Effekte auf Clips

Einen Filter auf einen Clip legen, das ist ein Klick. Denselben Filter auf dreißig Clips einer ganzen Szene legen, das sind entweder dreißig Klicks, oder ein einziger, sobald man weiß, wie eine Einstellungsebene in Final Cut Pro funktioniert. Genau darum geht es in diesem Eintrag meines Videoschnitt-Tagebuchs: kein neues Reisevideo, sondern ein Workflow-Tipp, der mir seit Monaten Zeit spart, wenn Farbe, Kontrast oder Vignette über eine ganze Sequenz auf einmal sitzen sollen.

Der Begriff stammt eigentlich aus anderen Schnittprogrammen, in denen eine echte Einstellungsebene als eigenes Objekt existiert. Final Cut Pro kennt dieses Objekt so nicht – was am Anfang für einige Verwirrung gesorgt hat, bis klar war, dass sich derselbe Effekt mit einer leeren Titelebene selbst bauen lässt.

Eine Einstellungsebene unterscheidet sich von einem normalen Filter.

In meinem ersten Final Cut Pro X Einsteigerkurs kam der Begriff nur am Rande vor, als Abkürzung für alle, die ungern jeden Clip einzeln anfassen. Eine Einstellungsebene liegt oberhalb der eigentlichen Clips in der Timeline und wirkt wie eine durchsichtige Folie: Jeder Filter, jede Farbkorrektur, die auf diese Folie kommt, gilt automatisch für alles, was darunter liegt. Ändert sich später die Meinung, reicht ein Regler auf der Ebene selbst – kein Kopieren, kein Einfügen von Clip zu Clip mehr.

Wer mit der Magnetischen Timeline von Final Cut Pro schon vertraut ist, versteht das Prinzip in wenigen Minuten: Genau wie verbundene Clips in eigenen Spuren übereinander liegen, bekommt hier eine zusätzliche Spur nur für Korrektionen ihren Platz. Ramona, eine befreundete Fotografin, die mir Technik am liebsten mit drei Strichen auf einer Serviette erklärt, hat mir das Prinzip bei einem Kaffee in der Bergmannstraße in Kreuzberg genauso aufgemalt: unten die Clips, obendrüber eine durchsichtige Folie mit dem Regler für die Korrektur.

Final Cut Pro Oberfläche beim Anlegen einer Einstellungsebene über mehreren Clips

Mittlerweile lege ich mir diese leere Titelebene einmal in der Mediathek an und kopiere sie in jedes neue Projekt, statt sie jedes Mal neu zu bauen – das spart mehr Zeit, als man am Anfang glaubt. Kopieren und Einfügen per Cmd+C und Cmd+V reicht, um sie über die gewünschten Clips zu ziehen und anschließend in der Länge anzupassen.

Eine leere Titelebene bauen und über die Clips legen

Der Bau selbst ist unspektakulär: eine Titelebene ohne Text, in eine eigene Verbindungsspur über der Timeline gezogen, lang genug, um alle betroffenen Clips abzudecken. Alles, was danach an Filtern auf diese Ebene kommt, sickert nach unten durch, ohne dass ein einziger Clip darunter angefasst werden muss.

Für die grundlegende Farbkorrektur einer ganzen Szene reicht damit ein einziger Regler auf der Ebene, statt denselben Wert dreißigmal einzutippen. Wirkt der Kontrast zu hoch, wird an der Ebene korrigiert, nicht an jedem einzelnen Clip – das digitale Äquivalent zu einer Formatvorlage im Lektorat, die ein ganzes Dokument auf einmal in Form bringt.

Roter Korrekturstift neben der Tastatur, Sinnbild für die Korrektur per Einstellungsebene in Final Cut Pro

Auch Farb-Looks mit LUTs lassen sich so in einem Rutsch über eine ganze Sequenz legen, statt sie Clip für Clip neu zu importieren. Auf den Ton wirkt sich das Ganze übrigens nicht aus – Pegel und Mischung bleiben eine eigene Baustelle, die weiterhin separat justiert werden muss.

Die Grenzen des Tricks bei vollen Timelines

Bei komplexen Projekten bremst die Ebene den Workflow spürbar, weil jeder Frame darunter in Echtzeit neu berechnet werden muss. Wer auf einem gebrauchten Mac mini wie meinem mit Proxy-Medien arbeitet, merkt den Unterschied sofort, sobald mehrere Filter gleichzeitig auf der Ebene liegen: Beim Durchscrubben durch H.265-Aufnahmen bleibt der Abspielkopf dann kurz hängen, bevor das Bild weiterspringt. Der Mac mini steht bei mir links neben dem Laptop, einen Hauch erhöht auf einem Holzklotz, und wenn der Lüfter unter der Last hochdreht, wackelt fast der Stapel Korrekturfahnen daneben.

Okay, das war heute echt frustrierend: Ich habe mir englische Tutorials zur "Adjustment Layer" angeschaut, weil das Wort in der deutschen Oberfläche schlicht nicht auftaucht, und die Menüs auf meinem Rechner sahen trotzdem komplett anders aus als in jedem Video. Am Ende hilft nur, es einmal in der eigenen Timeline auszuprobieren, bis klar ist, wo die Ebene wirklich hingehört.

Iris, die regelmäßig in den Kommentaren mitliest und mir gern einen Screenshot ihrer Timeline schickt, wenn etwas nicht funktioniert, hatte genau dieses Problem: Ihre Ebene lag brav in der Timeline, zeigte aber keinerlei Wirkung. Des Rätsels Lösung war die Reihenfolge der Spuren – die Ebene muss in einer höheren Verbindungsspur liegen als jeder Clip, den sie beeinflussen soll, sonst passiert schlicht nichts. Das ist der erste Punkt, den ich inzwischen prüfe, wenn ein Effekt angeblich nicht ankommt: erst die Spur-Reihenfolge, dann erst die Werte auf dem Regler.

Manche Effekte auf der Ebene lassen sich sogar keyframen, wenn sich ein Look über die Szene hinweg leicht verändern soll, während Speed-Ramps und Zeitlupen weiterhin auf dem einzelnen Clip bleiben und von der Ebene unberührt sind. Vor dem Export für Instagram oder YouTube werfe ich inzwischen immer einen letzten Blick darauf, ob die Ebene wirklich bis zum letzten betroffenen Clip reicht, weil eine zu kurz gezogene Ebene sonst mitten in der Sequenz einfach aufhört zu wirken. Ein eigenes Schlagwort für die Ebene in der Mediathek hilft dabei, sie zwischen den ganzen Reiseclips überhaupt wiederzufinden, statt jedes Mal neu danach zu suchen.

Meine Mitbewohnerin hat neulich ein fertig geschnittenes Video gesehen, in dem der Farblook über die komplette Szene identisch saß, und hat mit keiner Silbe gefragt, ob ich das wirklich selbst hinbekommen habe – für mich fast das größte Kompliment, das so ein kleiner Trick mit einer leeren Titelebene einbringen kann.

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