SchnittTagebuch

Reiseclips in Final Cut Pro mit Schlagwörtern sortieren für mehr Ordnung

Über 400 Clips in einer einzigen Mediathek, jeder von der Kamera durchnummeriert mit C0001.mp4 oder C0002.mp4. Genau so sah mein Ordner nach der letzten Ostseereise aus, und aus diesem Wirrwarr ist inzwischen ein festes System aus Schlagwort-Sammlungen geworden, mit dem ich jeden Reiseclip in Sekunden wiederfinde statt eine Stunde danach zu suchen. Wer als FCP-Anfängerin gerade selbst vor einem Berg unsortierter Clips sitzt und nach Ordnung in Final Cut Pro sucht, bekommt hier die Antworten, die ich mir am Anfang gewünscht hätte.

Warum meine Dateinamen komplett nutzlos waren

Gesucht war eine kurze Szene: eine Möwe, die am Strand nach meinem Fischbrötchen schnappt. Gefunden habe ich beim Scrollen nur Wellen, noch mehr Wellen und Sanddorn, aber keine Möwe - der Dateiname C0247.mp4 verriet rein gar nichts.

Kameras vergeben Namen wie Seitenzahlen ohne Kapitelüberschrift. Für mich als Lektorin, die sonst mit rotem Stift und Randnotizen arbeitet, war das eine Zumutung: keine Struktur, keine Suchbarkeit, nur eine lange Liste aus Ziffern.

Am Schreibtisch, wo der Mac mini neben dem Laptop auf einem schmalen Holzklotz eine Handbreit höher steht, damit ich beim Hin- und Herschauen nicht ständig den Kopf senken muss, wurde mir irgendwann klar: Final Cut funktioniert nicht wie der Finder, sondern eher wie eine Datenbank. Die Dateien liegen irgendwo auf der Festplatte, die Mediathek verwaltet nur Verweise darauf.

Hand am Mac mini beim Anlegen von Schlagwort-Sammlungen für mehr Ordnung im Final-Cut-Pro-Schnitt

Englische YouTube-Tutorials halfen an der Stelle kaum weiter - die Menüs sahen auf den Videos komplett anders aus als bei mir, andere Beschriftungen, andere Reihenfolge der Buttons, und ich war am Ende genauso ratlos wie vorher. Geholfen hat nur eins: sich selbst durch die deutsche Version klicken, bis CMD+K vertraut war und der Schlagwort-Editor keine Überraschung mehr bereithielt.

Wie lege ich eine Schlagwort-Sammlung in Final Cut Pro an?

Man markiert die passenden Clips, drückt CMD+K, und im Schlagwort-Editor öffnet sich ein schmales Fenster, in das man einen Begriff tippt - bei mir zum Beispiel 'Ostsee'. Sobald man bestätigt, bekommt jeder markierte Clip ein blaues Symbol, ungefähr so, wie ein Korrekturzeichen am Rand eines Manuskripts markiert, wo etwas nachgetragen werden muss.

Zusätzlich lassen sich über die Metadaten-Ansicht zehn eigene Tastenkombinationen belegen, Control-1 bis Control-0, und genau das macht Schlagwörter im Alltag erst wirklich schnell: 'Landschaft' liegt bei mir auf der 1, 'Ich selbst im Bild' auf der 2, ein einziger Tastendruck ersetzt minutenlanges Tippen.

Können mehrere Schlagwörter an einem Clip hängen?

Ja, und genau das hat mir am Anfang gefehlt zu wissen: Ein Clip kann gleichzeitig 'Ostsee', 'Strand' und 'Möwe' tragen, ohne dass sich dadurch die Datei verdoppelt oder zusätzlicher Speicherplatz verbraucht wird. Die Schlagwörter sind reine Verweise, vergleichbar mit mehreren Post-its an derselben Manuskriptseite.

Zu viele ähnliche Begriffe richten allerdings Schaden an. Nachdem ich 'Strand' und 'Küste' als zwei getrennte Schlagwörter angelegt hatte, fand ich die Hälfte der eigenen Clips eine Stunde lang nicht wieder - okay, das war wirklich frustrierend, weil die Lösung so simpel war: sich auf einen einzigen Begriff pro Motiv festlegen, sonst zieht man sich die eigene Unordnung nur in ein neues System um.

Schlagwort-Editor in Final Cut Pro zum Sortieren von Reiseclips nach Motiven für mehr Ordnung

Iris fragt: Reicht dafür auch ein iMac statt Mac mini?

Iris, die als Stammkommentatorin im Blog regelmäßig von ihren eigenen FCP-Anfängen berichtet, schneidet auf einem iMac statt auf einem Mac mini und wollte wissen, ob Schlagwort-Sammlungen dort anders funktionieren. Die Antwort: nein, das Prinzip mit CMD+K und den Metadaten-Ansichten ist identisch, unabhängig vom Gehäuse. Der einzige Unterschied, den sie mir zurückgemeldet hat, betrifft die Reaktionszeit bei sehr großen Mediatheken - bei ihr baut sich die Vorschau manchmal einen Tick langsamer auf, was eher an Arbeitsspeicher und Bildschirmgröße liegt als am Schlagwort-System selbst.

Schlagwörter oder Ereignisse zuerst?

Schlagwörter sortieren nach Motiv, aber sie verwischen dabei den zeitlichen Ablauf einer Reise - wer alles nach 'Strand' filtert, verliert das Gefühl dafür, an welchem Tag was passiert ist. Deshalb lege ich inzwischen für jeden Reisetag ein eigenes Ereignis in der Mediathek an und nutze Schlagwörter nur noch für Motive, die sich durch mehrere Tage ziehen, etwa 'Drohne' oder 'B-Roll'.

Steht die Struktur einmal, wird auch Nebenarbeit leichter - wenn ich zum Beispiel später Fotos zu animieren mit dem Ken Burns Effekt will, weiß ich sofort, in welchem Ereignis die passenden Stillbilder liegen, statt vorher wieder zu suchen.

Notizbücher und roter Stift neben der Tastatur als Sinnbild für Ordnung beim Final-Cut-Pro-Reisevideo-Schnitt

Während draußen der Hinterhof längst im Dunkeln liegt und die Leselampe hinter dem Monitor ihr warmes Licht wirft, sortiere ich meistens noch den Rest der Ostsee-Ereignisse - rechts vom Bildschirm stapelt sich wie immer ein Berg Korrekturfahnen, der eigentlich auch dran wäre.

Was bei mir noch hakt

Der Lohn kommt in Momenten, die es vorher nie gab: Kopfhörer auf, und ausgerechnet der Schnitt, an dem ich am längsten gefeilt habe, trifft exakt den Takt der Musik - früher wäre die Zeit dafür komplett im Suchen draufgegangen.

Andere Baustellen liegen bei mir noch auf Halde: Wie genau die magnetische Timeline Clips verschiebt, sobald man etwas dazwischenzieht, verstehe ich erst in Ansätzen. Eine Mediathek von Anfang an sauber anzulegen, bevor das Chaos überhaupt entsteht, ist für mich ein eigenes Kapitel für sich. Der Mac mini ruckelt bei 4K-Material gelegentlich, und Proxy-Medien sollen genau das lösen, nur habe ich mich da noch nicht rangetraut. Meine eigene Stimme geht in ein paar Clips im Hintergrundton unter, was eindeutig nach einem ordentlichen Audiopegel-Abgleich verlangt. Auch eine richtige Farbkorrektur für die etwas blassen Ostseebilder steht bei mir noch aus. Beim Export nach Instagram und YouTube probiere ich immer noch verschiedene Einstellungen aus, ohne mich festgelegt zu haben. Keyframes, mit denen man Bewegung im Bild von Hand steuert, habe ich bisher genau einmal ausprobiert. Und Speed-Ramping, bei dem ein Clip mitten in der Bewegung schneller oder langsamer wird, sieht bei anderen mühelos aus - bei mir bisher gar nicht.

Ruhiger Schreibtisch am Abend beim Final-Cut-Pro-Schnitt mit sortierten Schlagwort-Sammlungen

Meine Freundin Ramona aus Neukölln, die freiberuflich fotografiert, schickt mir morgens ungefragt Links zu irgendwelchen Schnitttechniken, und manchmal google ich erst, was der Fachbegriff überhaupt bedeutet, bevor ich weiterlesen kann. Nützlich ist die Ordnung inzwischen auch dann, wenn ein Clip wackelt: Ich weiß sofort, welches Ereignis betroffen ist, und kann direkt nachlesen, wie ich verwackelte Reisevideos zu stabilisieren, statt vorher den ganzen Abend zu suchen.

Wer nur eine Sache aus alldem mitnehmen will: lieber wenige, klar abgegrenzte Schlagwörter konsequent nutzen und die Chronologie über Ereignisse regeln, statt beides zu vermischen - das spart am meisten Sucherei pro Schnittabend.

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