
Voller Speicher trotz kaum neuem Material
120 Gigabyte – so viel Speicher bekam mein Mac mini zurück, nachdem ich in Final Cut Pro nur zwei Menüpunkte angeklickt hatte. Vorher hatte die eingebaute 256-GB-Platte meines gebraucht gekauften Mac mini praktisch dichtgemacht, obwohl ich für meinen Island-Vlog kaum neues Rohmaterial geladen hatte. Okay, das war heute echt frustrierend, als die Warnung über den fast vollen Speicher mitten im letzten Feinschliff an einem Clip aufploppte.
Als Lektorin bin ich Ordnung gewohnt – roter Stift, klare Korrekturzeichen, alles hat seinen Platz. Kurz vorher hatte ich den Final Cut Pro X Einsteigerkurs für Reiseblogger durchgearbeitet und fühlte mich eigentlich sattelfest. In der digitalen Welt von Final Cut schien dieser Ordnungssinn trotzdem komplett zu versagen: Wie kann ein paar Minuten Video hunderte Gigabyte fressen, wenn kaum etwas Neues dazugekommen ist?
Antonia, mit der ich seit ihrem Umzug nach Wien nur noch per Video-Call rede, hat sich den fertigen Clip angeschaut und sofort gesagt: solide geschnitten, aber die Farbe insgesamt noch zu kühl. Sie schönt nichts, das schätze ich an ihr. Kurz irritiert hat mich das trotzdem, denn genau diese Farbkorrektur war es, die im Hintergrund offenbar gigabyteweise Speicherplatz verschluckt hatte.
Was frisst den Platz in der Mediathek?
Die Mediathek-Datei – das kleine Symbol mit den vier Sternen im Finder – ist bei mir inzwischen auf mehrere hundert Gigabyte angewachsen, obwohl das eigentliche Filmmaterial viel kleiner ist. Der Grund: Jedes Mal, wenn ich einen Effekt hinzufüge, rechnet Final Cut im Hintergrund eine neue Datei aus, damit die Vorschau beim Abspielen nicht ruckelt. Diese Render-Dateien stapeln sich im Hintergrund, ohne dass man es beim Schneiden merkt.
Wer zusätzlich mit Proxy-Medien arbeitet, um auf einem schwächeren Rechner flüssig zu schneiden, bekommt eine dritte Kategorie an Dateien dazu, die genauso Platz frisst. Bei hochwertigen Formaten kommt noch dazu: ProRes 422 arbeitet mit einer 10-Bit-Farbtiefe, was für die Bildqualität toll ist, im Hintergrund aber entsprechend große Datenmengen erzeugt. Es ist wie mit Schmierblättern beim Textentwurf. Man braucht sie für das Endergebnis, muss sie aber nicht für immer aufheben.
Paketinhalt zeigen: ein Blick hinter die Kulissen
Zur Einordnung, bevor es weitergeht: Wer die Bibliothekslogik nicht kennt, löscht am Ende schnell die falschen Dateien. Die Mediathek ist ein Paket, das sowohl Verweise auf das Originalmaterial als auch alle automatisch erzeugten Zwischendateien bündelt. Mit Rechtsklick auf die Mediathek und 'Paketinhalt zeigen' öffnet sich der Blick auf Ordner über Ordner mit kryptischen Namen, was für mich anfangs aussah, als würde ich die Motorhaube eines Autos öffnen, von dem ich keine Ahnung habe.
So lösche ich generierte Mediathek-Dateien
Über 'Ablage' und dann 'Generierte Mediathek-Dateien löschen' öffnet sich ein kleines Fenster, in dem man wählen kann, was weg soll: Render-Dateien, optimierte Medien oder Proxy-Medien. Beim ersten Mal klickte ich auf 'Alle Render-Dateien', mit klopfendem Herzen und der festen Erwartung, gleich das ganze Projekt zerschossen zu haben.
Passiert ist nichts dergleichen – die Clips saßen weiterhin exakt dort, wo ich sie in der magnetischen Timeline abgelegt hatte, nur die kleinen Rendering-Punkte über den Clips waren wieder da.
Warum Löschen mitten im Projekt nach hinten losgehen kann
Bei einem Projekt mit vielen Ebenen und Effekten habe ich zwischendurch trotzdem alle Render-Dateien gelöscht, weil der Speicher schon wieder knapp wurde. Ergebnis: Jede kleine Änderung ließ den Mac mini alles neu berechnen, der Export dauerte spürbar länger als sonst. Auch Zeitlupen-Effekte per Speed Ramping erzeugen beim Rendern zusätzliche Dateien, die bei einem aktiven Projekt schnell wieder Platz beanspruchen.
Viorica, die parallel zu mir Final Cut lernt und dabei fast immer ein Tutorial auf dem zweiten Bildschirm mitlaufen hat, hatte genau dieses Problem ebenfalls: Ihr Rechner hat mitten im Rendern über den Speicher gemeckert. Seitdem löscht sie Render-Dateien nur noch bei ruhenden Projekten – bei einem Projekt, an dem sie gerade aktiv sitzt, lässt sie sie liegen.
Andere Speicherfresser im Schnitt
Auch beim Anpassen der Lautstärke bemerke ich immer wieder, wie die weiß-grüne Wellenform unter der Tonspur mitzuckt, sobald ich am Regler drehe. Auch dieser Audiomix erzeugt eigene Cache-Dateien im Hintergrund. Wer zusätzlich mit manuellen Keyframes arbeitet, um Bewegungen oder Ebenen zu animieren, produziert noch mehr von diesen Zwischendateien. Und wer seine Clips vorher sauber mit Schlagwörtern sortiert hat, findet hinterher wenigstens leichter heraus, welches Projekt überhaupt noch offene Baustellen hat und wo sich das Aufräumen lohnt.
Meine Faustregel für den Mac mini
Das Originalmaterial bleibt bei alldem immer erhalten, egal welche der drei Kategorien verschwindet – nur die automatisch erzeugten Zwischendateien werden gelöscht. Meine Faustregel inzwischen: Render-Dateien lösche ich nur bei Projekten, die abgeschlossen sind oder gerade ruhen. Ist ein Projekt aktiv in Arbeit, lasse ich sie liegen, sonst rechnet der Mac mini bei jeder Kleinigkeit von vorn.
Und falls du danach exportierst und dich fragst, wie du am Ende alles richtig ausspielst: Ich habe aufgeschrieben, wie ich Final Cut Pro Videos für Instagram und YouTube exportiere. Speicherplatz sparen und sauber exportieren gehören für mich inzwischen zusammen – beides sorgt dafür, dass der Mac mini für die nächste Schnittsession wieder Luft hat.