SchnittTagebuch

Wie ich einfache Untertitel in Final Cut Pro erstellen konnte ohne Plugin

Sonntagabend in Berlin. Draußen ist es endlich wieder so warm, dass man das Fenster beim Arbeiten auflassen kann, aber eigentlich will ich nur fertig werden. Ich sitze vor meinem gebrauchten Mac mini, die Lüfter sind das Einzige, was ich höre, und ich starre auf mein zehnminütiges Video über meine Reise nach Portugal. Es ist fertig geschnitten, die Farben passen einigermaßen, aber jetzt kommt das, wovor ich mich seit Tagen drücke: die Untertitel. Vor einer Stunde war ich kurz davor, auf 'Kaufen' zu klicken und 50 Euro für ein Plugin auszugeben, das mir versprach, alles magisch von selbst zu erledigen. Ich dachte wirklich, Untertitel händisch zu setzen sei in Final Cut Pro unmöglich oder zumindest eine lebenslange Aufgabe.

Als Lektorin ist Text mein tägliches Brot. Ich liebe Buchstaben, ich liebe Korrekturzeichen und den Geruch von frisch gedruckten Manuskripten. Aber in diesem Programm fühlte ich mich die letzten Wochen oft wie eine Analphabetin. Ich hatte ursprünglich versucht, jeden Satz einzeln als 'Titel' einzufügen – so wie ich es im Final Cut Pro X Einsteigerkurs für einfache Bauchbinden gelernt hatte. Aber bei zehn Minuten Material? Das wäre so, als müsste ich ein ganzes Buch mit dem Setzkasten setzen, Buchstabe für Buchstabe. Ein Albtraum aus roten Korrekturstiften in meinem Kopf.

Mitte März: Der erste Versuch und das große Scheitern

Es war Mitte März, als ich zum ersten Mal versuchte, mein Video für Instagram und YouTube vorzubereiten. Ich wusste, dass viele Leute ohne Ton schauen, also brauchte ich Text. Ich zog also brav einen 'Einfachen Titel' in die Timeline, tippte den ersten Satz ein, passte die Schriftgröße an und verschob ihn nach unten. Dann kam der nächste Satz. Und der nächste. Nach etwa zwei Wochen dieser mühsamen Arbeit passierte es: Ich musste eine Szene in der Mitte des Videos um drei Sekunden kürzen.

In diesem Moment brach mein Kartenhaus zusammen. Da die Titel als normale Clips über dem Video lagen, verschob sich alles. Plötzlich passte kein einziger Untertitel mehr zum gesprochenen Wort. Es war, als hätte jemand bei einem fertig korrigierten Manuskript alle Zeilenumbrüche gelöscht und der Text würde nun völlig willkürlich über die Seiten fließen. Okay, das war heute echt frustrierend. Ich habe den Mac mini einfach ausgeschaltet und bin erst mal eine Runde um den Block gelaufen.

Nahaufnahme einer Hand an der Maus vor dem Final Cut Pro Interface mit Fehlermeldung.

Der Wendepunkt: Captions statt Titel

An einem verregneten Sonntagabend im Mai saß ich wieder dran. Ich hatte mich durch Foren gewühlt und endlich verstanden, dass Final Cut Pro strikt zwischen 'Titeln' (grafischen Elementen) und 'Untertiteln' (technischen Textspuren) unterscheidet. Ich suchte nicht nach einem neuen Effekt, sondern nach einer Funktion, die sich 'Captions' nennt. Beim ziellosen Klicken durch die Menüs stieß ich unter 'Bereitstellen' auf die Option, Untertitel zu exportieren, was mich schließlich zur entscheidenden Tastenkombination führte: Option-C.

Plötzlich öffnete sich über meiner Timeline eine ganz neue Ebene. Eine lila Spur, die nur für Text reserviert ist. Das war der Moment, in dem ich begriff: Ich muss kein Plugin kaufen. Die Lösung war die ganze Zeit da, versteckt unter einer Tastenkombination, die ich bisher ignoriert hatte. Ich fühlte mich ein bisschen wie eine Lektorin, die jahrelang mühsam mit dem Lineal Zeilenabstände gemessen hat, nur um dann zu entdecken, dass es in Word eine automatische Funktion dafür gibt.

Ich lernte, dass man in Final Cut Pro verschiedene Standards wählen kann. Für meine Zwecke war der Untertitel-Standard für Closed Captions namens CEA-608 interessant, aber für das moderne Internet ist es oft klüger, einfach direkt 'ITT' oder SRT-ähnliche Formate zu nutzen. Mein Projekt war ganz klassisch in Full-HD-Auflösung mit 1920 x 1080 Pixeln angelegt, und die Bildrate stand auf der für europäische Videoproduktionen üblichen Standard-Bildrate von 25 fps. Das ist wichtig, weil die Untertitel exakt auf diese Frames getimt werden müssen.

Das Klick-Klack der Berliner Nacht

Anfang Juni begann ich dann mit der eigentlichen Arbeit. Es gibt in meiner stillen Berliner Wohnung ein ganz bestimmtes Geräusch: Das gleichmäßige 'Klick-Klack' meiner Tastatur, während ich Zeile für Zeile das Meeresrauschen und meine Erzählstimme aus Portugal in Text verwandelte. Es hat fast etwas Meditatives, wenn man erst einmal den Rhythmus gefunden hat. Mit Option-C erstelle ich einen neuen Untertitel-Clip genau dort, wo der Abspielkopf steht. Dann tippe ich den Text ein.

Das Geniale an dieser Methode – und das ist mein persönlicher 'Angle', den ich jedem Anfänger mitgeben möchte: Verzichte auf das manuelle Platzieren von Text-Clips und nutze stattdessen das Erstellen von Untertiteln direkt in der Timeline. Warum? Weil diese Untertitelspuren fest mit der Zeitachse verknüpft sind, aber in einem eigenen Ökosystem leben. Wenn ich jetzt einen Clip verschiebe, kann ich die Untertitel viel leichter mitbewegen oder anpassen, ohne dass das restliche Layout zerschossen wird. Es ist die digitale Version eines Korrekturzeichens, das genau am Wort klebt, egal wie sehr man den Absatz verschiebt.

Natürlich gab es wieder diesen einen Moment des Scheiterns. Ich hatte Stunden investiert, um die Untertitel farbig zu gestalten und hübsche Hintergründe zu bauen. Als ich dann versuchte, das Ganze als .srt Datei zu exportieren, merkte ich: Final Cut ignoriert meine Formatierungen komplett. Eine SRT-Datei ist eine universelle Untertiteldatei, die nur reinen Text und Zeitstempel speichert. Das frustrierende Gefühl, als ich merkte, dass meine mühsam gestalteten 'Titel' beim Exportieren einfach ignoriert wurden, war hart. Ich hatte versucht, Äpfel als Birnen zu verkaufen.

Nahaufnahme der Mac-Tastatur mit Fokus auf die Tasten für das Untertitel-Kürzel.

Validierung und der letzte Schliff

Aber Final Cut Pro ist schlauer als ich dachte. Es gibt eine eingebaute Validierung. Wenn ein Untertitel zu lang ist oder sich mit einem anderen überschneidet, zeigt das Programm ein kleines rotes Warnsymbol. Das ist wie der Rotstift meines ehemaligen Chefs – unerbittlich, aber am Ende macht es das Ergebnis besser. Man lernt schnell, dass ein Untertitel nicht mehr als zwei Zeilen haben sollte, damit der Zuschauer nicht mit dem Lesen überfordert ist.

Ich habe auch gelernt, dass ich die Untertitel entweder 'eingebrannt' (also fest im Video sichtbar) oder als separate Sidecar-Datei exportieren kann. Für meine Reisevideos brenne ich sie meistens ein, damit sie auf jedem Gerät genau so aussehen, wie ich es will. Dabei hilft es ungemein, wenn man vorher die wichtigsten Final Cut Pro Tastaturkürzel für Anfänger verinnerlicht hat, um nicht ständig mit der Maus suchen zu müssen.

Mein gebrauchter Mac mini hat bei der ganzen Prozedur übrigens nicht einmal geruckelt. Selbst wenn ich hunderte dieser kleinen lila Untertitel-Blöcke in der Timeline hatte. Es zeigt mir immer wieder: Die 'Pro'-Lösungen sind oft schon eingebaut, man muss nur den Mut haben, die kompliziert klingenden Menüs zu erkunden und nicht sofort Geld für Plugins auszugeben, die eigentlich nur das offensichtliche automatisieren.

Jetzt ist es fast Mitternacht. Das Video ist exportiert, die Untertitel sitzen perfekt bei 25 fps und ich bin stolz. Es ist nicht perfekt, vielleicht ist hier und da noch ein Tippfehler drin (was mir als Lektorin natürlich körperliche Schmerzen bereitet), aber es ist von mir. Ohne Plugin. Nur ich, mein Mac mini und eine Menge Geduld. Wer hätte gedacht, dass Videoschnitt am Ende so viel mit dem Korrigieren von Texten zu tun hat? Man muss nur lernen, die richtigen Werkzeuge für die richtige Aufgabe zu nutzen.

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